Smarte Pflege

- Wie intelligente Informationen den Pflegealltag entlasten könnten -
- Ein Blick über den Tellerrand -

Altenpflege und Digitalisierung – wie passt das zusammen? Wenn ich als Altenpflegerin an meine Arbeitsstellen zurückdenke, war das Innovativste, was ich miterleben durfte die Dokumentation am PC. Traurig, aber wahr! Für mich ist die Pflegebranche eine der konservativsten Branchen überhaupt, die nur schwer von technischen Neuerungen überzeugt werden kann. Die Gründe dafür sind sicher vielfältig von vermeintlich zu hohen Anschaffungs- und Instandhaltungskosten bis hin zu Nichtakzeptanz durch Bewohner/innen und Personal. Auf den allgegenwärtigen Fachkräftemangel brauche ich hier nicht näher einzugehen. Aber meiner Meinung nach steckt viel Potential in dieser Branche und es wird auch fleißig geforscht.

Die Teilnahme an der Blogparade des iiBlogs zum Thema „Wie prägen intelligente Informationen unsere Zukunft?“ bietet mir die Möglichkeit für einen Blick über den Tellerrand. Dabei möchte ich mich nicht nur auf intelligente Informationen begrenzen, sondern auch einen Einblick in technische und digitale Alternativen geben.

Meine Zukunftsvision: Das smarte Pflegeheim

Im Pflegeheim der Zukunft arbeiten die Pflegekräfte mobil mit Tablets, Smartphones und SmartWatches, um Daten umgehend manuell oder per Spracheingabe in das Informationssystem einzupflegen. Notizzettel gibt es dort schon lang nicht mehr. Sie nutzen für die Dokumentation keine in sich geschlossenen Software. Die Software ist Teil eines Netzwerks, welches arbeitsrelevante Daten berechtigten Partnern wie Haus- und Fachärzte automatisch zur Verfügung stellt. Die Daten werden von diversen Sensoren erfasst, z.B. bei der Erhebung von Vitalwerten über integrierte Geräte. Die erfassten Daten werden im System mit Datenreihen aus der Vergangenheit verglichen und aufgrund von Parametern des neuesten medizinischen Kenntnisstands und der individuellen Diagnosen des Pflegebedürftigen bewertet. Bei Abweichungen von der Normalität erhalten Pflegekraft und zuständiger Arzt einen Alarm und können zeitnah weitere Untersuchungen einleiten.

Pflegerisiken werden durch den Einsatz von Sensoren reduziert. Aufgrund von Beschleunigungs- und Lagesensoren werden Sturzereignisse schneller erkannt. Durch die Analyse des Bewegungsverhaltens können Sturzursachen in Zukunft vermieden werden. Drucksensoren messen, wie lang bettlägrige Pflegebedürftige in der gleichen Position liegen. Durch Informationseingabe des Personals zu ersten Anzeichen eines Druckgeschwürs (Dekubitus) können individuelle Lagerungsintervalle abgeleitet werden. Das Personal wird per Alarm erinnert, wenn die Lagerung noch nicht erfolgt ist. Das smarte Pflegebett unterstützt sie bei der fachgerechten Lagerung. Teil davon ist eine aus kleinen Würfeln bestehende Kaltschaummatratze, welche einzeln angehoben oder gesenkt werden können. Die Positionsdaten werden an die Software übermittelt und abgespeichert. Es ist jederzeit möglich weitere Geräte zu integrieren, bspw. die smarte Toilette, die das Ausscheidungsverhalten misst und Urinproben analysieren kann.

Da Haus- und Fachärzte zunehmend mehr Patienten betreuen, wird eine persönliche Visite im Pflegeheim selten durchgeführt. Das Pflegeheim der Zukunft hat bereits einen Raum mit den nötigen Kommunikationsmittel für Telemedizin eingerichtet. Hier halten die Ärzte im Beisein einer Pflegefachkraft mit den Pflegebedürftigen die Visiten ab. Die Pflegekraft führt notwendige Untersuchungen durch und übermittelt die Daten über das sichere Netzwerk zeitgleich an den Arzt. Werden Medikamente geändert, gleicht die Software Neben- und Wechselwirkungen ab und gibt bei Kontraindikationen einen Alarm an Arzt, Apotheker und Pflegekraft. Erkennt das System ein wirkstoffgleiches Präparat (Generikum) mit weniger Nebenwirkungen, bekommt der Arzt eine Meldung. Die Rezepte werden online übermittelt, Bestellung und Lieferung können im System kontrolliert werden. Der smarte Medikamentenschrank ist auch in dieses Netzwerk integriert und löst Bestellung automatisch bei Unterschreiten der Mindestmenge aus und orientiert sich dabei an den aktuellen Medikamentenplänen der Pflegebedürftigen.

Im Pflegeheim der Zukunft wird das Personal durch den Technikeinsatz entlastet. Jeder Pflegekraft folgt ein autonom fahrender Pflegewagen, der seinen Bestand selbst auffüllt. Die Pflegekraft kann zusätzliche Pflegeutensilien per Smartphone oder Tablet anfordern und spart so unnötige Wege. Durch Exoskelette wird die körperliche Belastung durch Heben und Tragen auf das Pflegepersonal gemindert. Pflegefremde Tätigkeiten, wie Reinigungsarbeiten oder Temperaturkontrollen, wurden schon lange aus den Stellenbeschreibungen gestrichen. Dafür sind jetzt Temperatursensoren und Reinigungsroboter zuständig. In der frei gewordenen Zeit kann sich das Personal nun mehr um die Bewohner/innen kümmern. Um Pflegebedürftige auch während Übergabe- und Abwesenheitszeiten nicht unbetreut zu lassen, wird das Personal vom Pflege-Roboter Pepper unterstützt. Dieser singt gemeinsam mit den Senioren und Seniorinnen, macht Gedächtnisspiele oder liest aus der Zeitung vor.

Im Pflegeheim der Zukunft wird das Personal in meinen Augen nicht durch Roboter ersetzt. Es wird dort sinnvoll ergänzt, wo Mitarbeiter entlastet werden können. Ziel von Technik, Digitalisierung und intelligenten Informationen ist eine gute Versorgungsqualität in der Pflege und dass sich die Pflegebedürftigen wohlfühlen. Das Informationssystem ist dabei so fortgeschritten, dass es für alle Beteiligten keine zusätzliche Hürde sondern eine Erleichterung darstellt. Das heißt benötigte Informationen sind schnell abrufbar, das System hilft den Mitarbeitern die vielfältigen Aufgaben des Pflegealltags zu managen, Fehler zu vermeiden und Problemfelder aufzudecken. Zudem ist das System auf den Schutz vor Datenmissbrauch ausgelegt, sodass das Vertrauen aller Beteiligten erhalten bleibt und nicht zuletzt die Akzeptanz aller Mitarbeiter in das Informationssystem aufgebaut wird.

Was sagt ihr dazu? Ist das eine Zukunft, in der ihr arbeiten wollt? Was spricht dafür und was dagegen?

Kommentare

Lukas hat gesagt…
Hallo Christin,

ein Beitrag über die Smarte Pflege hat mir wirklich sehr gefallen.

Auch ich denke, dass sich die Technik perfekt in den Alltag integrieren lassen könnte um so den älteren Menschen den Wunsch zu erfüllen, "leichter" leben zu können.
Sicherlich kritisieren viele die anfallenden Datenmengen und gehen von einer Überwachung aus. Ich denke allerdings, dass man diese Menschen so viel freier in ihrem Alltag leben lassen kann, ohne dass man Konsequenzen in Form von Verletzungen oder ähnlichem zu befürchten hat.

In Kombination mit Smart Home wäre es auch sehr interessant zu sehen, ob ältere Menschen die Chance hätten, länger in ihren eigenen vier Wänden zu leben, ohne dass sich Angehörige Sorgen machen müssen.

Insgesamt finde ich deine Vision wirklich sehr interessant und ich hoffe, dass wir eines Tages so weit sind, dass wir solche Dinge in die Tat umsetzen können. Denn ich glaube wir sind uns in einem einig: die älteren Menschen haben eine gute Pflege verdient, die sie nicht einschränkt oder ihr die Freiheit nimmt, die ihnen zusteht.