Eine Pflege-Charta für Pflegekräfte - Teil 2

-------------- UPDATE 23.08.18 --------------


Liebe Leser/innen und Interessierte,

ich habe inzwischen die Textfelder ausgewertet und kann euch nun die endgültigen Ergebnisse präsentieren. Bevor ich allerdings damit beginne, möchte ich euch noch kurz meine Intention für die Charta für Pflegekräfte erläutern. Die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind seit Jahren gleichbleibend und werden tendenziell schlechter, da schlicht und einfach qualifiziertes Personal fehlt. Viele Pflegekräfte interessieren sich nicht für Berufspolitik und setzen sich nicht für Verbesserungen ein. Ich bestreite nicht, dass es bei mir genauso war. Inzwischen habe ich genug frustrierende Erfahrungen gemacht, um feststellen zu können, dass ich unter diesen Umständen als Altenpflegerin (oder Qualitätsbeauftragte) keine (für mich) zufriedenstellende Arbeit leisten kann. Deshalb habe ich angefangen nachzufragen und mich zu belesen. Leider hat es für mich den Anschein, dass es noch zu wenig „Kämpfer für die Sache“ gibt und sie sich nicht gegenseitig unterstützen, sondern ihren eigenen Weg gehen.

Mit dieser Charta für Pflegekräfte versuche ich Pflegekräften die Augen zu öffnen und sie zum Nachdenken zu bringen. Ich will, dass „Pflegenotstand“ und „Fachkräftemangel“ weiterhin präsent sind und auch von anderen Seiten betrachtet werden. Bisher liegt der mediale Fokus vorrangig auf den niedrigen Gehältern und der schlechten Personalausstattung. Es gibt aber weit mehr Stellschrauben, an denen für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen gedreht werden können.

In meiner Umfrage habe ich nicht nur danach gefragt, ob beruflich Pflegende eine Charta für Pflegekräfte für sinnvoll halten und wie wichtig einzelne Rechte für sie sind. Ich habe ihnen auch den Raum gegeben Verbesserungsvorschläge zu äußern. Diese habe ich für euch gesammelt und in eine sinnvolle Form gebracht. Doch zuerst gebe ich euch eine Übersicht über die endgültige Version der Charta für Pflegekräfte. Ich habe sie geringfügig angepasst, um den geäußerten Belangen gerecht zu werden. Ziel der Umfrage war auch, eine Evaluation der aufgestellten Artikel durchzuführen.



Es haben zwischen 19 und 46 Teilnehmer Eingaben zu den einzelnen Artikeln der Charta gemacht. Die Textfelder wurden absichtlich nicht als Pflichtfeld umgesetzt, um das Interesse an der Umfrage nicht aufgrund eines hohen Zeitaufwands zu trüben. Mir war von Vornherein bewusst, dass nicht jeder Teilnehmer zu jedem Thema einen Vorschlag oder eine Meinung hat.

Damit der Blog-Eintrag nicht zu lang wird, gebe ich hier nur eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

Artikel der Charta für Pflegekräfte
thematischer Fokus der Teilnehmer
1) Recht auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Ausbau von Kindertagesstätten, Schulkinderbetreuung
  • Zuschüsse zu Betreuungskosten
  • verbindliche Dienstpläne
  • flexible Arbeitszeitmodelle
2) Recht auf Aus-, Fort- und Weiterbildung/ Recht auf eine angemessene Einarbeitung
  • einheitliche Regelung für die praktische Anleitung im Betrieb, sowie deren konsequente Umsetzung mit Praxisanleitern
  • einheitliche Fortbildungsregelung mit Pflichtthemen
  • Mitspracherecht bei Fortbildungsthemen und Aushang des Fortbildungsplans
  • konsequente Umsetzung von Einarbeitungskonzepten
  • neue Mitarbeiter werden nicht auf den Personalschlüssel angerechnet
3) Recht auf ein stabiles Arbeitsumfeld und eine ausreichende Personalausstattung
  • angemessene Personalbemessung
  • Stärkung des Teamzusammenhalts
  • weniger Springer-Tätigkeiten
  • sinnvoller und geregelter Einsatz von Zeitarbeitern
4) Recht auf einen wertschätzenden und respektvollen Umgang
  • Beteiligung der Mitarbeiter an Unternehmensentscheidungen
  • konsequente Durchführung von Mitarbeitergesprächen, Teamsitzungen und Supervisionen
  • gegenseitiges Verständnis zwischen den beteiligten Berufsgruppen und zwischen Pflegepersonal und Betreuten/ Angehörigen stärken
5) Recht auf eine ausreichende Ausstattung mit Pflegehilfs- und Arbeitsmitteln
  • festgelegte Grundausstattung mit Hilfsmitteln in stationären Einrichtungen
  • Hilfsmittelversorgung im ambulanten Bereich vereinfachen
  • Beteiligung der Mitarbeiter bei Entscheidungen für Neuanschaffungen
6) Recht auf eine lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung
  • früheres Renteneintrittsalter für Pflegekräften
  • Einhaltung des Arbeitszeitgesetz stärker kontrollieren
  • Arbeitszeiten den Lebensphasen anpassen: Familien, ältere Mitarbeiter usw.
  • kontinuierliches Schichtsystem für bessere Planbarkeit
7) Recht auf eine angemessene Bezahlung und regelmäßige Lohnanpassungen/ Tarifvertrag
  • angemessener gesetzlicher Mindestlohn in der Pflege, gestaffelt nach Qualifikationen
  • angemessene Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit
  • verbindliche Tarifverträge bzw. verbindliche Lohnanpassung
8) Recht auf Mitbestimmung und fachlichen Austausch
  • Betriebsräte/ Mitarbeiterinteressenvertretung in jeder Einrichtung
  • Aufbau einer Pflegegewerkschaft
  • regelmäßige Qualitätszirkel und Besprechungen
  • Beteiligung an Unternehmensentscheidungen
9) Recht auf Erhalt der psychischen und physischen Gesundheit
  • Zuschuss zu Gesundheitskursen
  • Pflichtseminare zu Gesundheitsthemen für Pflegepersonal
  • betriebliches Gesundheitsmanagement und Betriebssport
  • adäquate Pausenräume
10) Recht auf Privatsphäre
  • ständige Erreichbarkeit vermeiden
  • festgelegte/ geplante Rufbereitschaften


Nähere Erläuterungen könnt ihr in diesem Schreiben nachlesen, welches ich auf Basis der Ergebnisse und weiterer Recherchen verfasst, an das Bundesgesundheitsministerium und Fachzeitschriften weitergeleitet und in Sozialen Medien geteilt habe. Gern könnt ihr den Link zu meinem Blog an interessierte Kollegen weiterleiten. Ich freue mich über jede Unterstützung.

------------- UPDATE 06.08.18 -------------


Danke für eure zahlreiche Teilnahme. Ich freue mich euch erste Ergebnisse der Umfrage präsentieren zu können. Die Auswertung der Textfelder wird allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen. In einer ersten Übersicht, die ich mir von euren Kommentaren gemacht habe, sehe ich aber, dass sich viele von euch mit dem Thema intensiv beschäftigen.

Erste Ergebnisse:

Es haben insgesamt 355 Pflegekräfte an meiner Umfrage teilgenommen. Davon waren 236 Fragebögen vollständig ausgefüllt und verwertbar.

Über 50% der Teilnehmer/innen waren Pflegefachkräfte. Ca. 45% der Teilnehmer/innen sind zudem schon mehr als 10 Jahre im Pflegeberuf tätig, ca. 21% sind zwischen 5 und 10 Jahren im Beruf tätig und ca. 25% der Teilnehmer/innen arbeiten bereits zwischen 2 und 5 Jahren in der Pflege.







In meiner Umfrage sollten zuerst die erarbeiteten Charta-Grundsätze bewertet werden. Für jeden Grundsatz konnte aus 4 Bewertungsstufen gewählt werden von "0 = gar nicht wichtig" bis "3 = sehr wichtig". Die Mehrheit der Teilnehmer/innen bewertete jeden Grundsatz mit sehr wichtig. In einem späteren Befragungsschritt konnten noch Anmerkungen und Vorschläge zur Umsetzung gemacht werden. Zum Schluss der Umfrage wurden die Teilnehmer/innen noch gebeten zu äußern, ob sie eine Charta für Pflegekräfte für sinnvoll und zielführend halten. Dies haben 82,6% mit "Ja" beantwortet. 4,2% der Pflegekräfte halten die Charta für nicht sinnvoll und 13,1% waren sich zum Zeitpunkt der Umfrage unsicher.




In den kommenden Tagen und Wochen werde ich mich an die Auswertung der freien Eingabefelder setzen und diese für euch aufbereiten. Beim Lesen der Anmerkungen ist mir allerdings bereits aufgefallen, dass einige Pflegekräfte bezüglich ihrer Rechte Wissenslücken haben. Ich habe mir vorgenommen diese Themen zu sammeln und zukünftig auch in meinem Blog zu behandeln. Denn es hapert nicht immer daran, dass es keinen gesetzlichen Rahmen gibt, sondern vielmehr an der Umsetzung durch die Arbeitgeber und dass die Mitarbeiter diese nicht einfordern.

------------- Original-Post 23.06.18 -------------


Danke für eure Mitarbeit!

An euren Beiträgen zu meinem ersten Post konnte ich sehen, dass das Thema doch von Interesse ist. Die Ideensammlung über tricider.com für eine Charta für Pflegekräfte habe ich zum 31.05.18 beendet und eine erste Auswertung vorgenommen.

In der Tabelle seht ihr eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:


Diese Punkte möchte ich nun noch mit euch konkretisieren. Deshalb habe ich einen Fragebogen entwickelt, in welchem ihr Feedback geben könnt. Weiterhin möchte ich Vorschläge für die Umsetzung der Charta zu sammeln.

Den Fragebogen findet ihr unter folgendem Link: https://www.soscisurvey.de/charta-fuer-pflegekraefte/

Er ist bis zum 31.07.2018 online.

Vielen Dank für euer Interesse. Ich bin gespannt auf eure Ideen.

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